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Zuverlässigkeit von Recycling Druckerpatronen

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"Die letzten 5% an Zuverlässigkeit kosten Sie das ganze Vermögen!" (Gabriels ewiglich gültige unabänderbare Wahrheit #1)

"Ist die Zuverlässigkeit wirklich so gut wie das Original"?

Das ist sicherlich die allerhäufigste Frage an Händler von Recycling Druckerpatronen! Meistens kommt sie mit einem hörbaren Unterton von Skepsis in der Stimme.

Die Marketer der Branche möchten natürlich "ja" brüllen, aber die Ingenieure haben eher Probleme mit einer solch unpräzisen Fragestellung (siehe Humor für die Kaffeepause), weil die Frage von Zuverlässigkeit nicht mit ja/nein beantwortet werden kann.

Eine wirtschaftlich und technisch sinnvollere Frage wäre: "Was sollte ich zahlen, um gegebene Resultate zu erzielen?"

Im folgenden konzentrieren wir uns auf Toner-basierte Druckerpatronen, also solche mit beweglichen Teilen. Tintenpatronen sind eine völlig andere Thematik und werden in einen anderen Beitrag behandelt. Weiterhin konzentrieren wir uns hier auf Zuverlässigkeit (oder negativ ausgedrückt Ausfallraten) von Druckerpatronen. Druckbild, Qualität und Ergiebigkeit sind noch weitere Themen, die Käufer interessieren, aber das würde diesen Beitrag sprengen. Zu diesen Themen gibt es weitere Beiträge.

Es führt kein Weg drum herum, daß Recycling Druckerpatronen mehrfach benutzte Komponenten enthalten. Rein statistisch müßte man daher eine höhere Ausfallrate und somit weniger Zuverlässigkeit annehmen. In der Praxis ist das auch durchaus richtig. Nur ist Zuverlässigkeit in der praktischen Welt an sich und für sich kein guter Entscheidungsmaßstab. Druckerpatronen sind schließlich keine Jumbo Jets und ein Ausfall hat nicht annähernd die gleichen Konsequenzen. Man sollte das Thema Zuverlässigkeit daher etwas pragmatischer betrachten.

Eine Frage wäre, welche Auswirkungen das Thema Zuverlässigkeit für die "Sicherheit" des Druckers hat. in der praktischen Welt sind Folgeschäden, also Druckerschäden aufgrund von defekten Druckerpatronen extrem selten. Das schlimmste Ereignis ist meistens ein Tonerleck im Drucker. Dieser ist relativ einfach zu beheben. Mechanische Probleme, die einen Drucker gefährden, sind extrem selten. Dies sollte denjenigen zu denken geben, die argumentieren, sie wollen den Drucker nicht aufs Spiel setzen, indem sie billigere Druckerpatronen einsetzen. Warum das wirtschaftlich keinen Sinn macht, haben wir im Beitrag Druckkosten behandelt.

Auch verabschieden sich die Komponenten in Laser Druckerpatronen generell nicht "plötzlich", sondern zeigen schon vorher Symptome. Etwa wie PKW Reifen, die nur ganz selten "explodieren", sondern ihr bevorstehendes Lebensende zunächst vielfach ankündigen. Ein kompetenter Aufbereitungsbetrieb wird ALLE Kartuschen einer Serie von Drucktests unterziehen, die kein normaler Verbraucher jemals in der Praxis nachahmt. Anhand dieser Tests lassen sich Teile identifizieren, die Anzeichen von Schwäche zeigen und Zuverlässigkeit im sog. mid-cycle beeinträchtigen können. Diese Teile werden dann vorsorglich ersetzt.

Die Frage von Zuverlässigkeit sollte eigentlich von zwei Seiten angepackt werden, der statistischen und der wirtschaftlichen. Statistisch gesehen rechnet man bei kompetenten Aufbereitungsbetrieben bei weit verbreiteten Druckerpatronen mit Ausfallraten um die 2%. Das ist für technische Geräte eine durchaus beachtliche Leistung. Positiver ausgedrückt könnte man ja schließlich auch sagen, die Zuverlässigkeit wäre dann 98%.

Allerdings gibt es auch Druckerpatronen, die in der Industrie als "Dogs" bezeichnet werden - solche die einfach nicht aufbereitungsfreundlich sind und hohe Reklamationsraten haben. Bekannte Dogs sind die Lexmark Optra R oder die NEC Superscript Serie. Hier sind Ausfallraten von bis zu 20% nicht ungewöhnlich.

[Grafik]

Und das ist, wo die wirtschaftliche Seite zum Tragen kommt. Dogs werden eigentlich nur dann aufbereitet, wenn sie im original sehr teuer sind. Wenn der Preisunterschied zwischen einer aufbereiteten und einer originalen nur 10 Euro ist, dann kann der Kunde verständlicherweise höhere Ansprüche an die Zuverlässigkeit stellen als wenn die Preisdifferenz 150 Euro ist. Bei einer Preisdifferenz von 150 Euro kann man dem Kunden überzeugend zu verstehen geben, daß eine Zuverlässigkeit von 80% durchaus vertretbar ist. Für eine Ersparnis von 150 Euro nehmen viele gerne in Kauf, daß eine von fünf Druckerpatronen nicht ordnungsgemäß funktioniert - vorausgesetzt natürlich, der Lieferant gibt eine vollständige Gewährleistung, was in der Aufbereitungsindustrie generell der Usus ist.

Die logische Frage ist, kann man die Zuverlässigkeit der aufbereiteten Druckerpatronen noch weiter steigern?

Im Ingenieurswesen ist es wohl bekannt, daß die Kosten einer Sicherheitsvorkehrung für die letzten Prozent an zusätzlicher Sicherheit geradezu durch das Dach schießen. Um zu illustrieren: Ein ABS Bremssystem an einem modernen PKW kostet ein vielfaches von der einfachen Rücktrittbremse an einem Fahrrad. Und die Bremssysteme eines Jumbo Jet kosten ein Vielfaches von denen des typischen PKW. Warum? Weil der Ausfall einer Bremse an einem Fahrrad wahrscheinlich viel weniger dramatische Konsequenzen haben wird als an einem PKW oder gar einem Jumbo Jet. Der Kostenunterschied zwischen einem Fahrrad Bremssystem und einem Jumbo Bremssystem ist sicherlich ein Faktor von mehreren zig-Tausend. Auf der anderen Seite fällt eine Fahrradbremse in der Praxis gar nicht einmal so häufig aus - und dann hat man immer noch zwei getrennte Bremssysteme. Weil aber die Konsequenzen eines Ausfalls an einem PKW oder Jumbo das Potential einer viel größeren Katastrophe haben, können die höheren Kosten der Bremsanlage gerechtfertigt werden.

Jetzt wird der Leser vielleicht schon ungeduldig fragen: "Was hat das mit der Zuverlässigkeit von Druckerpatronen zu tun?". Nun - die Frage ist, wie dramatisch sind die Konsequenzen von dem Ausfall von Druckerpatronen. Die einfache und praktische Antwort ist: In den meisten Fällen überhaupt nicht Das Auswechseln von Druckerpatronen dauert ungefähr 30 Sekunden. Gut, das ist etwas salopp. Nehmen wir noch Zeit hinzu für das Auspacken, Einpacken oder weil der technisch ganz unversierte vielleicht den EDV Spezialisten zu Rate ziehen muß. Sagen wir einmal maximal eine halbe Stunde Zeit.

Nehmen wir nun mal ein Beispiel aus dem öffentlichen Dienst: Selbst wenn der Bürgermeister und Verwaltungschef persönlich zu zweit die Kartusche auswechseln müssten, dann käme das vielleicht auf 50 - 100 € Personalkosten. Nehmen wir einmal weiterhin an, daß die durchschnittliche Originalkartusche 60 € kostet und die aufbereitete 50 € Nehmen wir weiter an, daß die Zuverlässigkeit von aufbereiteten 95% ist und von Originalen 100%. Dann haben wir immer noch 19 Druckerpatronen mal 10 € gespart, bevor es zu einem Ausfall kommt - d.h. 190 € oder etwa das doppelte von dem, was die gemeinsamen Anstrengungen des Bürgermeisters und Verwaltungschefs für die 20. Kartusche kosten würden. Der faire Leser wird merken, daß alle Zahlen in diesem Beispiel ganz extrem gegen die aufbereiteten Druckerpatronen vorbelastet sind. Die Wirklichkeit sieht für die Wirtschaftlichkeit von aufbereiteten Druckerpatronen um ein Vielfaches besser aus.

Um die Frage von Zuverlässigkeit nochmal mit einem anderen Beispiel zu illustrieren: Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden jede Postsendung, egal was der Inhalt, grundsätzlich nur als Einschreiben mit Rückantwortschein schicken. Sie würden sagen: "Absurd!" Wir könnten gegenargumentieren : "Aber sicherer!" Sehen Sie - am Ende ist es eine Frage von "Was darf Zuverlässigkeit kosten? Was ist gerechtfertigt?" Und das war die Eingangsfrage von Zuverlässigkeit, nur etwas anders formuliert.

Wir hoffen, wir haben mit diesem Beitrag gezeigt, daß das Thema Zuverlässigkeit von Druckerpatronen in der wirtschaftlichen Praxis weit weniger Bedeutung hat als der Diskussionsraum, der ihm eingeräumt wird.